CHRONIK

Um die Jahrhundertwende, anno 1900, wurde im damals märkischen Steinfurt der Turnverein Einigkeit (MTV) gegründet. Es sollen ehrbare Bürger der Gemeinde gewesen sein, deren Namen rückblickend nicht mehr feststellbar sind.

Sie folgten dem Geist, der vom Turnvater der deutschen Nation, Friedrich Ludwig Jahn, ausgelösten Bewegung zur sportlichen, patriotischen und turnerischen Entwicklung der Jugend, gleich vielen anderen Gemeinschaften in dieser Zeit.
Anfangs waren es Leibesübungen, Gymnastik und Bodenturnen, die mit der Anschaffung von Turngeräten dann höhere Maßstäbe setzten, bis hin zu wettkampfmäßigen Vergleichen mit anderen Vereinen.

Der erste Weltkrieg unterbrach bzw. schränkte indessen die Initiativen ein. Erst nach Kriegsende wurden sie wieder ausgeprägt und mit Hinwendung zum Handballsport um eine weitere Disziplin erweitert.

Das Spiel mit dem Ball fand auf dem Gelände des Mühlengartens in der Kastanienallee (heute bebaut mit Eigenheimen) statt. 1925/26 waren es die in den Industriebetrieben des Finowtals tätigen Arbeiter, die den Arbeiterturn- und Sportverein Freiheit Steinfurt e.V. gründeten und sich vor allem dem Handballsport zuwandten.

Seine Begründer waren die Sportkameraden Willi Hanke, Willi Trallis, Albert Luckenwald, Willi Dräger u.a. (siehe Ehrenliste im Anhang). In vielen freiwilligen Einsätzen und finanziert mit Arbeitergroschen schufen sie sich eine Sportstätte am Hohenzollernkanal (Oder-Havel-Wasserstraße) am Ende der Luckenwaldstraße gelegen. Ihre Tagungen, Versammlungen und Vereinsvergnügen veranstalteten sie im Lokal von Ernst Zieche (später unter dem Namen Gaststätte Klatt, später HO, heute stillgelegtes Gebäude Steinfurter Krug).

Um Spiele nach Steinfurt zu holen, wurden Vergleichskämpfe mit Berliner Vereinen vereinbart, manchmal gleich drei Begegnungen an einem Tag, die dann an drei Wochenenden in Rückspielen vor dem heimischen Publikum reges Interesse fanden.

Im Jahr 1933 erfolgte die Zusammenführung beider Steinfurter Vereine, die fortan dann ihre Wettkämpfe unter dem Namen „MTV Einigkeit Finowfurt“ austrugen. Rot-Weiß waren die Vereinsfarben.
Vorangegangen war dieser Entwicklung die Vereinigung der beiden unmittelbar benachbarten Gemeinden Steinfurt und Schöpfurt mit dem neuen Ortsnamen Finowfurt.

Nunmehr vereint, begann eine starke Phase im Finowfurter Handball. Mit zwei Männermannschaften und konzentrierter Jugendarbeit nahm man an den Wettkämpfen des Finowtals und der Kreise Oberbarnim und Niederbarnim teil und organisierte Freundschaftsspiele mit Berliner Vereinsmannschaften.

Auf der Grundlage einer guten Trainingsarbeit dominierten die Rot-Weißen schon bald unter den Teilnehmern in den jeweiligen Spielklassen des Finowtals das Spielgeschehen. Hella Finow, MTV 1860 Eberswalde, Hoffnung Jahn Biesenthal, Einheit Bernau, Schützenregiment 3, Kradschützen Bad Freienwalde, Sportfreunde Eberswalde u.a. waren die Gegner, mit denen man die Kräfte maß.

Mit der Erringung der Meisterschaft des Finowtals in der Meisterklasse im Jahr 1938 setzte man diesem Streben die Krone auf. Spieler, wie Jochen Brandt, Erwin Dahms, W. Straczewski, Arnold Dräger, Hans Wendt u.a. hatten daran maßgeblichen Anteil.

Das Vereinslokal der Rot-Weißen war inzwischen die Gaststätte Lips in der Marienwerder Straße geworden. Hier wurden die Trophäen und Pokale als Zeichen des Erfolgs präsentiert.

Mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges 1939 wurde dem ehrgeizigen Streben der Handballer ein Ende bzw. eine Pause gesetzt.

Erst nach 6 Jahren, mit der Rückkunft der den Krieg überlebenden Heimkehrer, konnte das sportliche Leben wieder aktiviert werden.
Es waren die Sportkameraden Erwin Dahms, Erich Detert, Erich Häckel, Herbert Dahms, Arnold Dräger, Bruno Teichmann, Gerhard Miers, Kurt Wilke, Rudi Dräger, Wolfgang Dünow und viele weitere, die zusammen kamen, um die neue Sportgemeinschaft zu begründen, die den Namen „Sportgruppe Freundschaft“ tragen sollte. Leistungsstarke ehemalige Spieler, wie Hans Wendt und Heinz Dittmann, die erst 1948 zurückkehrten, verstärkten die Aktivitäten zur Entfaltung des sportlichen Lebens und des Neuanfangs in diesen schweren Nachkriegsjahren.

Neben den männlichen Handballern organisierten sich 1946 aber auch die weiblichen Interessentinnen für diese Sportart, die von Traudel Karsten, Erika Schmukal (verh. Jerneitzig), Erika Grimm, Christa Langer, Helga Wegener (verh. Teschke) Ulla Liese (verh. Meier) Lore Stammert (verh. Heintz), Erika Müller (verh. Nießner), Margot Kuschinske (verh. Gampe), Brunhilde Langner (verh. Otto) u.a. vertreten wurden und sich in die Gemeinschaft mit einbrachten.

Mit der Gründung der DDR im Jahre 1949 erfolgte dann gleichsam die Reorganisation der Sportarbeit im Hinblick auf die Leitungstätigkeit, den Wettkampfmodus, Klasseneinteilung und Spielregeln. Das höchste Organ wurde der deutsche Turn- und Sportbund mit seinen Gliederungen in den 1952 gebildeten politischen Zentren der 15 Bezirke der DDR.
Die finanzielle Basis für die Sportgemeinschaften wurden die volkseigenen Betriebe und Kombinate bzw. staatliche und gesellschaftliche Einrichtungen, die als so genannte „Träger“ fungierten.
So kam es, dass die so genannten Betriebssportgemeinschaften auch jeweils den Namen der Sponsoren, bzw. produktionstypische Namen, wie z.B. Motor, Stahl, Energie trugen. Die Finowfurter Handballer nannten sich nach SG Freundschaft Rot-Weiß nach der Gründung der DDR:

– BSG Aufbau Finowfurt
– BSG Motor Finow (Trägerbetrieb Rohrleitungsbau Finow)
– ASG Vorwärts Finowfurt (NVA-Dienststelle)
– TSG Aufbau FinowfurtTSG Finowfurt

Nomen est omen, sagen die Lateiner, im Namen liegt eine Vorbedeutung und in Anlehnung daran haben die Finowfurter Handballer, wie immer sie sich auch nannten, unter jedem Namen ehrenhaft, fair und erfolgreich ihre Gemeinschaft vertreten.

Hervorzuheben sind in der Ära der DDR-Zeit, Ladys first, besonders die Erfolge der Handballerinnen. Drei Mal hintereinander, 1956, 1957 und 1958, wurden sie Bezirksmeister des Bezirkes Frankfurt (Oder) auf dem Großfeld und nahmen jeweils an Aufstiegsspielen zur DDR-Liga teil. Zweimal wurden sie Vizemeister in der Halle.
So berichtet ihr damaliger Trainer von einem eindrucksvollen Spiel der Finowfurterinnen, dass zwar mit 7:11 verloren ging, jedoch gegen keinen Geringeren, als den späteren DDR-Meister, erreicht wurde.

In vielen Freundschafts- und Turnierspielen konnten sie Pokale und Siegerurkunden erringen. Von der Küste (Sassnitz) bis ins Erzgebirge reichte der Bekanntheitsgrad. Unvergessen sind die Leistungen von Trudchen Hörnicke (Jaksch), Rosi Kulicke (Kunst) Gitta Rheinhard, Miriam Jahemik (Tietz), Christel Günter, Ulla Radloff, Giesela Black, Ilse Damrow, Margarete Mertens, Helga Küter (Krüger) Heidi Stahlberg und den Reeski-Mädels, Erika Grimm, um nur einige zu nennen.
Entscheidenden Anteil an den Erfolgen hatte der Sportkamerad Hans Wendt, der sowohl das Training bei den Handballfrauen, als auch beim weiblichen Nachwuchs durchführte.

Auch die Handballmänner waren in der Oderregion und über die Bezirksgrenzen hinaus ein stets zu beachtender Gegner. Eine starke Phase hatten sie ebenfalls in den späten 50ern und Anfang der 60er Jahren, wo sie in der höchsten Spielklasse des Bezirkes, der Bezirksliga, neben Lok Frankfurt (Oder), Stahl Finow, Empor Eberswalde, Altlandsberg, Biesenthal u.a. sich achtbar behaupteten. Einige Jahre spielten sie auch in der Berliner Klasse gegen Teltow/Ruhlsdorf, Ahrendsdorf, Dahme Dahmsdorf u.a.

1958 wurden sie Pokalsieger des Bezirkes und mussten in Ausscheidungsspielen um den DDR-Pokal gegen die Sieger des Bezirkes Cottbus (Chemie Lauchhammer), Rostock (Anker Wismar), Erfurt (Empor Weißenfels) und Berlin (Motor Berlin) antreten. Mit einem 4. Platz vor Anker Wismar im Vergleich mit sämtlichen höherklassigen Gegnern erreichten die Finowfurter dennoch einen Achtungserfolg.

Trotz Wehmut wegen des Abgangs ihres hoffnungsvollen Torwarts waren alle stolz, als Jürgen Haeckel in die Oberligamannschaft ASK Vorwärts Berlin delegiert wurde, wo er später dann zum Nationaltorwart der DDR avancierte.

Ein Höhepunkt in der Geschichte des Finowfurter Handballs war 1958 auch das deutsch-deutsche Treffen mit dem Sportverein Fortuna Glückstadt in dem über die Zonengrenze hinweg hüben wie drüben feste freundschaftliche Bande geknüpft wurden.

Dominierte in all den Jahren das Spiel auf dem Großfeld, so gewannen mehr und mehr die Spiele in der Halle an Autorität. Sie brachten mehr an Brisanz und Spannung mit sich, als die Spiele auf dem Großfeld.

Die genutzten Trainingsmöglichkeiten im Saal der ehemaligen Gaststätte Brettin entsprachen doch nicht mehr den Anforderungen des Hallenspiels, so dass der Ruf nach einer Sporthalle immer lauter wurde. Mit dem Bau einer Schulsporthalle wurde dem dann zwar Rechnung getragen. Sie genügte in ihren Abmessungen auch nicht den Bedingungen zur Durchführung von Wettkämpfen. Dennoch war es ein Fortschritt für den Trainings- und Übungsbetrieb, vor allem auch im Kinder- und Jugendsport.

Die Sportkameraden Arnold Glöck und Arnold Gliese widmeten ihre Freizeit der Heranbildung des männlichen Nachwuchses, während Hans Wendt gleichsam in der Funktion als Frauentrainer seine Aufgabe darin sah, die weibliche Jugend für den Handballsport zu begeistern und heranzubilden.

Durch die Wiedervereinigung beider deutscher Staaten am 3. Oktober 1990 war nun der Weg frei für eine eigenständige zwanglose Entfaltung der sportlichen Bewegung, deren erste Handlung in der Bildung von Vereinen gipfelte.

So erfolgte noch im Jahr 1990 die Gründung des Finowfurter Sportvereins (FSV), in dem vorerst noch die Abeilungen Fußball und Handball vertreten waren. Ab 1995, nach der Ausgliederung der Abteilung Fußball in den 1. FC Finowfurt, wurde der FSV von den Handballern weitergeführt.
Die Satzung und die Statuten wurden auf der Grundlage der Richtlinien des Deutschen Handballverbandes erarbeitet und beschlossen und bildeten die Grundlage für die Vereinsführung entsprechend der Staffeleinteilung und Wettspielordnung.

Die Finowfurter Handballer wurden wie folgt eingruppiert:

Männer Landesliga
Frauen Verbandsliga
männl. Jugend Landesklasse
weibl. Jugend Landesklasse

Als erster Vorsitzender erhielt der Sportfreund Rudi Dräger das Vertrauen der Mitgliederversammlung. Sein Stellvertreter wurde Hans Wendt. Hartmut Miersch wurde trotz seines damals jugendlichen Alters die Geschäftsführung übertragen.
Von 1995 bis 2001 war Rudi Dräger erster Vorsitzender.
Danach von 2001 bis 2003 Lutz Wollgast.
Von 2003 – 2008 leitete der Sportkamerad Uwe Schotte als erster Vorsitzender den Verein. Hartmut Miersch als Geschäftsführer, der nun sicher nahezu 20 Jahre die Seele des Vereins ist und als Spieler, Übungsleiter, Schiedsrichter, Staffelleiter dem Finowfurter Handballsport die Treue hält.

1996 wurde mit Unterstützung der nordrhein-westfälischen Partnergemeinde Korschenbroich auf dem ehemaligen Fußballplatz an der Spechthausener Straße eine Kleinfeldanlage (Tartanbelag) neu hergerichtet und den Sportlern zur Verfügung gestellt. Die wettkampfmäßigen Hallenspiele fanden jedoch zunächst weiterhin in der Sporthalle an der Fritz-Weineck-Straße im benachbarten Finow statt.

Je mehr die Finowfurter Handballer im Männerbereich als auch bei den Frauen und bei den Kindern und Jugendlichen von sich reden machten, wuchs auch das Begehren auf die Errichtung einer eigenen Halle. Der Mitgliederbestand des FSV war inzwischen auf nahezu 200 zahlende Mitglieder angewachsen. Mit 7 Mannschaften (2 Männer, 1 Frauen, 3 weibliche Jugend, 1 männliche Jugend) nahm der FSV am Spielbetrieb in der Verbandsliga, Landesklasse bis hin zur Kreisklasse teil.

Ebenso wie die Lehrmeister in den vergangenen Generationen des Finowfurter Sports kämpften auch die Nachfahren zum Ruhme Finowfurts und ihres Vereins und erreichten schöne Erfolge. Zahlreiche Urkunden, Pokale und Auszeichnungen legen darüber im Vereinsraum des FSV beredtes Zeugnis ab.

Besondere Höhepunkte dabei waren:

Der zweimalige Pokalsieg 1993 und 1996 im Wettbewerb um den Pokal des Brandenburgischen Handballverbandes, erzwungen von der 1. Männermannschaft

Die mehrmalige Erringung der Bezirksmeisterschaft durch die erste Männermannschaft und der Aufstieg in die dritthöchste Spielklasse der Region, der Verbandsliga, und deren seit 1993 anhaltenden Zugehörigkeit

Die Erreichung des Semifinals um den Pokal den Pokal des Brandenburgischen Handballverbandes 2005/2006, nachdem der Vertreter der Oberliga Brandenburg ESV Frankfurt (Oder) ausgeschaltet wurde, um dem späteren Pokalsieger SV Brandenburg West mit hohem Einsatz das Letzte abverlangt worden war

Die zweimalige Bezirksmeisterschaft der Frauen und der jeweilige Aufstieg in die zweite Spielklasse Brandenburgs, die Oberliga

Die Kreismeisterschaft und der Pokalsieg (Kreisliga) der 1. Frauenmannschaft in der Wettspielsaison 2006/2007 und der damit verbundene Aufstieg in die Verbandsliga

Die Kreismeisterschaft der männlichen Jugend A in der Wettspielsaison 2006/2007

Allem vorangegangen war am 03.10.1997 die Einweihung der neuen Sporthalle im Wert von 2,4 Mio. DM, die von einem Organisationskomitee aus Bürgern, Politikern und Finowfurter Sportlern initiiert und in vielen Eigenleistungen begleitet wurde. Dabei konnten 50.000 DM als Beitrag der Sportler und ihrer Fans aufgebracht werden. Der Sportkamerad Hann-Dieter Hartwig hat sich hier große Verdienste erworben.

In Dankbarkeit und Ehrerbietung für die über Generationen hinweg eingebrachten Leistungen und seine stete Einsatzbereitschaft, ob als Spieler, Trainer und Übungsleiter, Staffelleiter, Betreuer, erhielt die Halle auf Beschluss der Gemeindevertretung den Namen des seinerzeit 77jährigen Hans Wendt.

Von allen Aktiven und Verantwortlichen, die den Finowfurter Handball seit seinem Bestehen geprägt und sich ihm mit Haut und Haaren verschworen haben, ist unbedingt auch Harald Meyer zu nennen. Er ist als Torwart noch bis in die jüngste Zeit als 60jähriger mit seinen tollen Paraden in unzähligen Spielen Rückhalt und Stütze des Vereins gewesen – Vorbild und Legende an Disziplin und Einsatzbereitschaft für die nachwachsende Jugend zugleich. Viele Auszeichnungen und Ehrungen sprechen dafür eine beredte Sprache, wie auch das bezeichnende Image „Katze Meyer“

Zusammengetragen und aufgeschrieben von Rudi Dräger.
In Auszügen hier veröffentlicht.

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